DOKUMENTATION

Wir haben den Kongresstag in Echtzeit dokumentiert – parallel für alle digitalen Teilnehmer und im Nachgang für alle Interessierten und unsere Teilnehmer. Hier finden Sie

LIVE-BERICHTERSTATTUNG

Rob Gonda, Global Lead Creative Technology bei SapientNitro
…spannt in seiner Keynote den großen Bogen der Werbezukunft:

Contextual Computing – das vernetzte Gehirn – steht im Mittelpunkt der Werbung der Zukunft. Das ist das klare Statement von Rob Gonda. Alle Wege, die Website-Nutzer digital (und künftig auch analog) beschreiten, “get tracked and cookied”, damit die Werbebranche semantisch maßgeschneiderte Angebote an den Kunden bringen kann. Das ist zwar vorteilhaft für den Kunden, aber: “This is what will make us even lazier than today.”
Das wichtigste, das Unternehmen aller Brancher lernen müssen: den Kontakt zum Kunden wieder herstellen, diese nicht mehr isolieren, wie es das Online-Geschäft in vielen Fällen verursacht hat.

2020 – im Zeitalter des “Internet of Things” wird die RFID-Technologie soweit professionalisiert und günstig sein, dass man sie überall implementieren kann. So können alle Akteure der Werbe-Wertschöpfungskette die gesamte Produktion, Verkauf und Nutzung des Produkts nachvollziehen und ihre Produkte und Services entsprechend adaptieren und verbessern.
Doch was passiert mit den Daten? Wie sehen die Nutzer diese “Privacy Issues”?

Rob Gonda präsentiert seine “Six predicitions for 2015″

  • All Location-Based-Services will die
  • Facebook to own 50% of all display ads
  • Facebook will penetrate APAC > 2 bln users
  • Android + Google Me
  • Media Trade Floor
  • Media budgets will shift

Debatte: Werbung im Fernsehen der Zukunft. Bröckelt das etablierte Geschäft?
…Moderator Prof. Klemens Skibicki stellt die Runde vor:

* Jan Isenbart, IP Deutschland, übernimmt das Mikrofon: “Fernsehwerbung wird in diesem Jahr 5 bis 7 % wachsen”.
* Robin Seckler, SevenOne Intermedia, rechnet ebenfalls nicht mit einem schnellen, starken Abschwung der Fernsehwerbung.
* Axel Schmiegelow, sevenload, stellt die Definition “TV-Nutzung” zur Diskussion, in der nur das TV-Verhalten “einiger Tausend Haushalte” abgefragt wird – “eine statistisch fragwürdige Hochrechnung”. Das Event-getriebene Format ist der Quotenbringer im Fernsehen, sagt Schmiegelow über die Veränderungen der TV-Inhalte.
* Robin Seckler kontert, dass im Web die “talk of town” Themen oft TV-Themen sind. “TV als Takt- und Themengeber.”
* Dr. Jürgen Brautmeier, LfM NRW, stellt die Frage an das Panel, was und inwieweit in traditionellen und neuen Medien reguliert werden müsse. “Was passiert mit meinen Daten, was mit Privatheit?”
* Axel Schmiegelow kündigt versöhnliche Worte an und konstatiert: “Das Fernsehen wie wir es heute kennen, das liegt schon im Koma.” Was unterschätzt werde ist die “Macht der Nische”, ein Paradigmenwechsel und neue Medienrealität, von dem gerade die Onlinewirtschaft profitiert und neu monetarisiert. Nachdenken sollte man auch über das existierende Kartell bei der Vergabe von Mediaetats.
* Robin Seckler zielt in seiner Argumentation auf die Masse, Schmiegelow hält dagegen: “die Summe aller Nischen ist die Masse”.
* Jan Isenbart sieht keine Bedrohung für TV durch das Nischenwerbegeschäft, da es hier keine klassische Konkurrenzsituation gäbe.
* Thomas Knüwer meldet sich aus dem Publikum mit einer Wortmeldung und adressiert, dass die Landesanstalt inzwischen “journalistisches Aufklären und Warnen” in das eigene Portfolio aufgenommen habe. Auf die Frage nach einer Auflösung der Landesmedienanstalten kontert Dr. Brautmeier anhand von Beispielen wie der Breitbandentwicklung im ländlichen Raum, dass die Aufgabe der Anstalten v.a. die Begleitung neuer Entwicklungen und das Setzen neuer Impulse sei.

Kurzfilm:
Zukunft der Werbung, Teil 1 – Blinkenlichten Produktionen

Der erste Teil des Kurzfilms zeigt die Zukunft der Werbung. Gezieltes Targeting nach persönlichem Tracking durchziehen das Leben der Nutzer und Bürger. “Zielgerichtet, leise und unauffällig – aber allgegenwärtig”.

Thomas Bachem, Gründer UP Web Game
… referiert über Branding for Internet Start-ups. Insights from an Internet Entrepreneur

Die Wichtigkeit des Logos stellt Thomas Bachem, Gründer von United Prototype (mit Co-Gründer Ibrahim Evsan), in seinem Vortrag in den Vordergrund. Einblicke gibt er in das gemeinsame Branding der Firma und dem Produkt “FlipLife”, einem neuen Social Browsergame (“Social war noch nicht 2005″).
In der Social-Media-Nutzung dient Twitter v.a. als Broadcasting-Tool, bei Facebook hingegen wird die dialogische Kommunikation mit dem eigenen Netzwerk groß geschrieben. Ein wichtiger Hinweis für alle Gründer: das Reporting der Webaktivitäten. Hier investiert United Prototype gezielt Arbeits- und Finanzkraft.
Vor allem aber setzt die junge Firma in die Kraft der Community: das eigene Produkt wurde der Community im Rahmen eines Namenswettbewerbs übergeben. Heraus kam der Name “FlipLife” – gewählt aus über 10.000 Vorschlägen. Dabei erlebte das Unternehmen seinen ersten “Social Media Shitstorm”, also eine Flut an negativen Kommentaren. Mit viel Offenheit haben die beiden Gründer diese Attacken ins positive drehen können.
Die Community zeigt sich meist jedoch sehr engagiert: 11.000 Impressions und 65 likes erhielt United Prototype bspw. auf eine (überarbeitete) Stellenanzeige.
Das Fazit: Die Zukunft des Brandings liegt darin “interaktive Marken zu schaffen – mit einer gehörigen Portion an Mut und Risikobereitschaft”. Die Marke etwas spielerischer zu gestalten gewinnt für Unternehmer an Bedeutung. Und auch “mehr über junge Menschen zu lernen.” Wichtig kann diese neue, offene Herangehensweise an Zielgruppen auch für HR-Abteilungen und Recruiting sein.

Uwe Lübbermann, Premium Cola
… referiert als Gründer von Premium Cola – und als Konsument von Softdrinks

Uwe Lübbermann treibt der Wunsch zur aktiven Gestaltung einer Marke. Der Kunde soll nicht nur bei der Marke mitreden dürfen, sondern auch die Unternehmensstruktur. Vor allem wenn der Wunsch besteht, diese ethisch zu gestalten.
Mit 1.000 Flaschen gestartet stieg die Nachfrage nach Premium Cola (gegründet 2001) sehr schnell. Erst im regionalen Kontext, dann bundesweit und inzwischen in der gesamten D A CH Region.
Premium Cola verkauft kein Produkt, sondern Mitbestimmung: aufgeteilt unter 500 Stakeholdern. Diese managen die Marke mit einem einzigartigen, selbst entwickelten Management-Toolset. Die Masse hat aber auch Nachteile in der Steuerung: “Wir sind so etwas wie eine riesige WG”. Das ist der Nachteil – z.B. wenn einer der 500 Stakeholder sein Veto gegen die anderen 499 einlegt.
Spätestens mit dem Hinweis, dass Premium Cola keine Pressetexte verschickt (“dann würde ich ja EInfluss nehmen auf Berichterstattung, das darf ich gar nicht”) hat Lübbermann das Publikum auf seiner Seite.
Und dann wäre da noch die ethische Komponente, die dem Unternehmen eingeschrieben ist. Lübbermann zeigt, wie man als “Zwerg” Einfluss auf die Weltwirtschaft nehmen kann. Und: Lübbermann zeigt mit der Marke Premium, wie Nutzer zu alternativen Wettbewerbern werden “Ready to create and compete”, das ist das neue Credo, das User Generated Companies mit Big Playern konkurrieren lässt.

Madlen Nicolaus, Kodak
… erläutert, wie crossmedial sich die Traditionsmarke Kodak mit etablierten und neuen Produkten aufstellt

Das Mitarbeiter-Engagement ist ein wichtiger Baustein der Social-Media-Strategie von Kodak: Die Mitarbeiter sind dazu eingeladen, die Produkte des Unternehmens zu testen und in Bild, Video und Text dem eigenen Netzwerk verfügbar zu machen.
Grundlage dieser Aktivitäten sind Social-Media-Guidelines, den so genannten “Social Media Rules of Engagement”. Transparenz, Loyalität, Offenheit, Schnelligkeit und auch: Lockerheit im Umgang mit Social Media werden den Mitarbeitern darin vermittelt.

Die Zusammenarbeit mit Bloggern und weiteren, gut vernetzten Influencern ist ein weiterer Baustein, den Madlen Nicolaus ausführt. Videoworkshops, Blogger-Treffen und weitere Formate binden die Zielgruppen aktiv mit ein. Ein Beispiel hierfür ist die Kampagne “GabyGabyonTour”, die eine Reichweite von mehr als 4 Millionen Menschen in allen Social-Media-Kanälen erreichte.

Als wichtige Kontaktpunkte zum Kunden müssen die bespielten Social-Media-Kanäle durch gezielte Online Monitoring Prozesse permanent gescreent und aktiv genutzt werden. Das alles auf der Basis des Kodak-Mottos: Zuhören. Dialog. Autthentisch. Beobachten. Wiederholen.

Oliver Schiffers, Web Analytics Association
… wirft mit uns einen Blick auf die nächste Generation der Messverfahren

“Technologie ist der wichtigste Faktor im Zusammenspiel über die Kanäle”, das konstatiert Oliver Schiffers mit einem Blick auf die künftigen Messverfahren der Werbewirtschaft. Dazu stellt er insgesamt 5 Thesen vor:

  • These #1: Customer Lifecycle and User Experience
  • These #2: Erfolg von Kampagnen ist komplex, Channeldaten gehören Advertiser, in Erweiterung: Der Einfluss ALLER Kanäle über online hinaus muss erfasst werden
  • These #3: Mobile Data explodiert, treibt Entwicklung von “content” – wir das neue “media”
  • These #4: Die Macht wird mit denen seinn, die Data Explosion nutzen und Kunden teilhaben lassen – Big Data
    “Wir befinden uns in einer Ära der fundamentalen Veränderungen wie wir mit all diesen Daten umgehen.”
  • These #5: PRIVACY = Emotionaler Wert, Ermunterung, Vertrauen
    Das Teilen von Daten kann in Zukunft ein wichtiger Teil in der Kooperation mit dem Kunden sein.
  • These #6: Nutzer wollen DATEN und INNOVATION teilen = mit Marken?
    Offen und transparent mit dem Kunden teilen, welche Daten man über sie sammelt.
  • These #7: Data ist eigentlich sexy – Visualisierung
    Daten sind nicht langweilig, aber die Aufbereitung kann es sein.

Kurzfilm:
Zukunft der Werbung, Teil 2 – Blinkenlichten Produktionen

Der zweite Teil des Kurzfilms malt den Wechsel von der Angebots- hin zur Nachfrageökonomie. Dieser ermöglicht in der Zukunft der Werbung eine andere Wirtschaftswelt. Vom Verzicht auf Werbung profitieren so nicht nur nur die Unternehmen, sondern vor allem die Kunden.

Philipp Riederle, “Mein iPhone und ich”
… erzählt, wie Werbung aus der Sicht der Zielgruppe Digital Natives konsumiert wird.

“Ein Jugendmarkt ohne Social Media ist wie ein Jugendmarkt ohne Jugend.” Philipp Riederle wirbelt vor den Augen des Publikums durch vier prototypische User-Generated-Content-Angebote in der B2C Kommunikation:

  • Blogs: Reichweite ganz neu definiert bei Nischenthemen
  • Twitter: “Wir abonnieren nicht mehr Themen, sondern wir abonnieren Menschen, die uns interessieren.”
  • Social Networks
  • Podcasts

Authentizität ist für Digital Natives das große Paradigma. Der Aufruf von Philipp Riederle: “Wir wollen uns nicht nur von Unternehmen mit Werbung beballern lassen!” Stattdessen geht es um eine persönliche dialogische Kommunikation: “Ich will nicht mit dem Unternehmen als Black Box kommunizieren, sondern mit Leuten, die ich mit Bild und Name erkenne.”

Dann erhält das Publikum Tipps von Philipp Riederle zum Thema Corporate Blogging. Alle unter der Prämisse: Qualität, Storytelling, Emotionen, Zielgruppen-Denken! Und: Nähe aufbauen – z.B. durch eine kleine persönliche Geschichte.

Prinzip der Social Media Relations: Die Erfolgsfaktoren im Social Media Segment lesen sich wie ein Leitfaden eines alten Hasen, präsentiert vom 16-jährigen Referenten: “Social Media ist kein schnelles Abverkaufsinstrument.”

André Morys, Web Arts
… zeigt anhand neurowissenschaftlicher Erkenntnisse, welche Spielregeln die Werbezukunft definieren werden

“97% Besucher verlassen Sie.” Zumindest gilt das für die Webseiten von Unternehmen im Netz.
3 Perspektiven wirft André Morys auf den Kaufprozess des Kunden -> kaufen können, wollen und: müssen.
Dass Kunden müssen sollen, kann die Werbewirtschaft nur befeuern, wenn Sie den Kunden in ihrer omnipotenten Phantasie nicht mehr als den patenten immer grinsenden Schwiegersohn definieren, sondern sich ein reales Bild vom Kunden macht – auch von seiner Häßlichkeit.

Neurowissenschaftliche Untersuchungen belegen: The click happens in the users brain. Heißt: Conversion ist eine Folge dessen, was bei mir im Nutzen im Kopf passiert. An einem konkreten eCommerce Beispiel hat André Morys mittels Hirnstrom-Aufzeichungen gemessen, was der wahre Grund für Conversion ist. Dazu zählen neben der reinen Informationsvermittlung auch die Inszenierung und Zielgruppen-Anpassung des Produkts. Morys konstatiert: “Es gibt so etwas wie Zwiebelschichten, um verschiedene Emotionen im Kunden zu treffen.”

User Centered Thinking – der Kunde hat die Autorität. Diese Botschaft vermittelt Morys zum Ende seines Vortrags.
“Es geht nicht um Aufmerksamkeit, es geht um Relevanz.”

Debatte: Die nächste Generation des Targetings
… Moderator Prof. Klemens Skibicki stellt die Runde vor:

* Martin Meyer-Gossner, IDG Global Solutions, schildert von Maßnahmen des Umdenkens, speziell im Umgang mit Redakteuren und deren Probleme mit User Generated Content.
* Nils Röhrig, GroupM, meint, die größte Herausforderung im Targeting ist die Zusammenführung aller technologischer Plattformen und Möglichkeiten.
* Christian Elsner, nugg.ad, betont, dass die Wirksamkeit von Targeting jenseits des Klicks die wirklich relevante Größe sei.
* Frank Herold, AdAudience, wendet sich ebenfalls gegen die rein quantitative Auswertung des Targetings. Es müssen weitaus mehr Komponenten in den Prozess einbezogen werden.
* Moderator Skibicki wirft nochmals die Frage nach Reichweiten- vs. Performance-orientierter Werbung aus der Eröffnungsrede von Marc Ziegler (Geschäftsführer MEDIEN.NRW) in das Panel
* Frank Herold rekurriert auf die Nutzungsbedingungen von Daten: diskutiert werden müsse nicht nur die Generierung von Daten, sondern auch das Mergen verschiedener Daten.
* Das Panel steigt ein in die Diskussion der rechtlichen Rahmenbedingungen targetierter Werbung – dabei kommt es auch zur Länderdiskussion (s. Opt-in- und -out-Prozess)
— Die Rückmeldung aus der Twitter-Community zeigt, dass die Inhalte der Targeting-Debatte gerade bei Webnutzern durchaus kritisch angenommen werden. —
* Auf die Frage nach der großen Konkurrenz Facebook beschreibt Martin Meyer-Gossner, dass die Zukunft des Targetings darin liegt, die Verbindungen zwischen Nutzern neu zu kombinieren und hervorzusagen. Laut Nils Röhrig hat Facebook hier – aus datenschutzrechtlicher Sicht – einen Vorteil.
* Die Endstatement-Runde:
* Martin Meyer-Gossner: “Wir müssen irgendwie versuchen, den User einzubinden.”
* Nils Röhrig: “Von der Umfeldplanung hin zur Audience. Targeting wird vermutlich DAS zentrale Mediathema sein.”
* Christian Elsner hält ein Pladoyer dafür, dass künftig “alle Plattformen von allen nutzbar gemacht werden.”
* Frank Herold: “Immer spitzere Zielgruppe können künftig getargeted werden.”

Oscar Ugaz, Real Madrid
… bittet uns höflich, seinen Vortrag nicht in Echtzeit verfügbar zu machen. Das berücksichtigen wir hiermit.

Eugene Kan, Hypebeast.com
Weiter geht’s mit dem Long Tail.

Hypebeast ist eines der einflussreichsten Fashion und Beauty Blogs in den USA (Nummer 2) mit mehr als 19 Millionen PageViews im letzten Monat. Die Leser von Hypebeast lieben Marken – das war die Grundlage für das Geschäftsmodell: Storytellling via Text und Video. Hypebeast erzählt die Geschichte hinter den News, befasst sich mit dem Produktdesign und dem Handel. Vor allem die Nische macht den Unterschied – hier ist der Wettbewerb für Hypebeast nicht so hart. Kleine Nischenmarken sind dabei genauso interessant wie die großen Marken. Die Leser wissen das zu schätzen. Der inhaltliche Umfang wächst genauso wie die Fangemeinde.

Hubertus Bessau, mymuesli
Wachstum ohne Werbung. Wie konnte das passieren?

Kundennutzen, Innovation und Authentizität (der Begriff fällt tatsächlich zum ersten Mal heute!) waren die Ausgangspunkte für eine Story, die sich via Word Of Mouth und Medienberichterstattung verbreitet. Glück und Timing waren am Ende die wichtigsten Zutaten für das “Erfolgsmüsli”. MyMuesli hat sich von Anfang an bemüht direkt vom Markt zu lernen und mit den Kunden eng zu kommunizieren. Bessau nennt das “Shaping Pull”. Social Media bedeutete für MyMuesli am Anfang ein Weblog und 150 E-Mail-Adressen. Mit 400 Blogposts hat man schnell Google und die Medienwelt erobert, erst die Online-Medien, dann Tageszeitungen, Magazine und schließlich TV. In der Übergangsphase (brand building) hat MyMuesli seine SEM- und Online-Aktivitäten ausgebaut. Um expandieren zu können, kam dann auch klassische Werbung (TV, Print etc.) ins Spiel. Bessau vertritt die Auffassung, dass es ohne nicht geht. Ergo: Pull Marketing und Push Advertising schließen sich nicht aus, sondern werden in den verschiedenen Phasen beide gebraucht – abgesehen von Print und Banner, das hat zumindest für MyMuesli nicht funktioniert.

Mehrdad Piroozram, iSteps App Ventures
Der Pironet-Gründer bezeichnet sich zum Einstieg als “kölscher Perser” – was zweifelsohne zu hören ist;-)

Sein Thema “The Future Relevance of In-App Advertising” greift gleich mehrere Megatrends unserer Zeit auf: Social Networks, User Generated Content, Cloud Computing, mobile Internet und Fragmentierung von Zielgruppen. Wir sind gespannt. Facebook & Co sind digitale Ökosysteme, die die Brücke zum Endverbraucher schlagen. Facebook macht fast ein Viertel der gesamten PageViews in den USA aus (zum Vergleich Google mit etwas mehr als fünf Prozent). Der zweite Trend: Die mobile Airtime. Allein die Apple-Devices wurden weltweit innerhalb von nur 13 Monaten mehr als 120 Millionen Mal verkauft. Apps übernehmen in diesem Kontext den Zubringer zu Mehrwert. Beispiel aus Japan: Social Network Mixi verzeichnet inzwischen 86 Prozent der Zugriffe über mobile Endgeräte. Die Herausforderung: Anbieter müssen dafür Sorge tragen, dass Content nahtlos über alle Devices kursiert. Apps müssen sich als vertikale Einheit über alle Plattformen ziehen, so Piroozram. Er stellt die verschiedenen Werbeformate rund um die Apps mit Beispielen vor: Apps als Ad, Ads in Apps und iAd.

Ken Doctor, US-Media-Analyst und Autor “Newsonomics”
..steigt ein mit einem Vergleich zwischen Moses und Rupert Murdoch. Er spricht über die Unendlichkeit der Medien. Nahezu unendliches Online-Inventar und neue Messverfahren haben die Grundlagen für Verlage komplett verändert. Wo sie einst Dollars verdienten, ernten sie heute nur Pennies, sagt Doctor. Im Vorfeld hat der Media-Analyst dem Focus und Kress übrigens sehr interessante Interviews gegeben. Das “alte Leid” der Verlagsbranche: Media-Budgets wandern zu den Online-Medien. Digitales Marketing wird wichtiger, reines Advertisement lässt nach. Vor allem die Investments in “Self-Marketing”, also selbst umgesetzte Maßnahmen, haben sich in den USA in vier Jahren verdreifacht – auf 66 Milliarden US-Dollar. Marketing Services werden für Unternehmen immer attraktiver. Hierauf haben sich die wenigsten Medienunternehmen bisher eingestellt. Seine “Big Idea”: “
Instead of Big Checks from Small Number of Advertisers. Small Checks from Bigger Number of Advertisers.” Self-Serve Marketing und Self-Service Ads sind für Doctor ein Schlüssel zu einer besseren Monetarisierung von Verlagen. Das erfordert eine neue Mentalität (Sales DNA): Vertriebsberater statt Anzeigenverkäufer. Analysen stehen für ihn am Anfang nicht am Ende, das braucht ein “Amazon Of Publishing”. Auch hier geht es um ein besseres Kunden-/Leserverständnis. Seine Conclusio: Forget Advertising! Think Marketing Services! Ergo: Get bigger by getting smaller!

Amir Kassaei, CCO DDB Group
…wird angekündigt mit seinem Zitat “Werbung ist tot!” und dem Twitter-Reply: “Amir Kassaei redet davon, dass er sich selbst abschaffen möchte.

“Quantitatives Wachstum kann nicht das Maß aller Dinge sein.” Kassaei plädiert dafür nicht weiter “Sinnlosigkeit” zu verkaufen. Werber und Marketeers hinterfragen aus seiner Sicht nicht das wirklich Wesentliche. Deutlich wird das am großen Missverständnis “Social Media”. “Es gibt kein Social Media, denn Online ist kein Medium!” Stuttgart21 und der Umgang mit Autoritäten sind der Beleg, was sich durch Vernetzung inzwischen verändert hat. Allein: Die Werber haben das noch nicht verstanden – niemand glaubt ihnen, trotzdem wird das Geld immer noch mit vollen Händen zum Fenster hinausgeworfen, so Kassaei. Er fragt: Wie viel Geld muss ein Unternehmen investieren, um die von Usern geschaffene Transparenz anzukämpfen? Seine Antwort: Es geht nicht, die alte Methode funktioniert nicht mehr. Es folgt das Beispiel BestBuy, die das “globale Nervensystem” für sich genutzt haben, um zu beweisen, dass sie einen überlegenen Kundenservice haben. Laut Kassaei muss es darum gehen, Nutzen zu stiften! Anders formuliert: Relevanz schlägt Awareness! Einer der Roten Faden des Tages. Nächste These: Content schlägt Media! Und drittens: Liefern statt Versprechen! Gewagte These: Kassaei sieht Probleme für Google (“Wer in der Echtzeit alles findet, muss nicht mehr suchen!”) und Facebook (“Werbefinanzierung ist endlich!”) heraufziehen, wenn sie ihr Geschäftsmodell nicht der Mediennutzung anpassen.

Abschlusspanel mit:
Axel Schmiegelow, sevenload – CEO
Ken Doctor, Autor „Newsonomics”und führender US-Media-Analyst
Amir Kassaei, DDB Group – CCO
Jan Isenbart, IP Deutschland – Leiter Marktforschung
und zum ersten Mal auf der Bühne: Arndt Groth, Präsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW)

Diskutiert wird der Fahrplan für das Werbegeschäft der Zukunft – die Roadmap 2015, zumindest solange bis die ersten ihren Flieger noch erreichen müssen;-) Wir hängen satte 45 Minuten im Fahrplan des 25.11.! Kassaei zitiert den DDB-Gründer: Gute Werbung ist Gift für ein schlechtes Produkt! Dann wissen noch viel mehr Menschen, dass es schlecht ist. Er hat die Hoffnung, dass die Welt ein Stückchen besser wird durch die neue Form der Vernetzung. Arndt Groth gibt zu bedenken, dass es noch viele Hürden zu nehmen gilt, so seien mit guten Targetingverfahren in manchen Fällen schlicht noch nicht die Reichweiten zu erreichen, dass sie von Werbetreibenden als relevant wahrgenommen werden. Ken Doctor weist darauf hin, dass die neuen Methoden noch nicht wirklich dazu geführt haben, Produkte oder Services zu verbessern. In vielen Fällen stehe das Verkaufen zu stark im Vordergrund – mit Hilfe von Rabatten. Kassaei verweist noch einmal auf Apple. Hier stünde am Anfang ein gutes Produkt und Werbung wird nur genutzt, um der Masse das einmal mitzuteilen. Schmiegelow kennt kein Start-Up, dass in den letzten fünf Jahren in Fernsehwerbung investiert habe. Er vermutet, weil der Preis dafür im Vergleich zum Ertrag viel zu hoch sei. Kassaei sagt, dass so populäre Marken wie Google oder Amazon noch keinen Cent in klassische Medialeistungen investiert haben. Seine These: Es sind überlegene Produkte. Schmiegelow vermutet, dass es eine Reihe von Produkten gibt, die “draussen” massenhaft konsumiert werden. Leider weiß die Werbebranche gar nichts davon. Isenbart erwidert, dass er offenbar nur die richtigen Studien bisher nicht gelesen habe. Es würde weitaus mehr erfasst und gemessen als weitläufig bekannt – auch und gerade im Umfeld von TV-Werbung. Kassaei wünscht sich mehr Innovationen. Es müsse mehr danach gefragt werden, was den Menschen fehlt und nicht was sie wollen. Ken Doctor sagt Apple und Google hätten ihre Produkte auf Basis der Frustration von Konsumenten kreiert. Groth wünscht sich neben der klassischen Marktforschung eine aktivere Nutzung der neuen Plattformen, um mehr und bessere Consumer Insights zu bekommen. Die weitere Diskussion verlagert der Moderator Prof. Skibicki ins Get Together.

Vielen Dank fürs Mitlesen. Das MEDIEN.NRW Team freut sich über den erfolgreichen, aufschlussreichen Kongress, der unsere Erwartungen an Inhalt, Vernetzung und professionellem Austausch zwischen Referenten und Teilnehmern mehr als erfüllt hat. Wie hat Ihnen der Kongress gefallen? Wir freuen uns über zahlreiche Kommentare.

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